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Da dort nicht jeder mitlesen kann, habe ich es mal 'raus kopiert ...
Leute, es wird heiß.
Nicht „ein bisschen warm“.
Nicht „Jacke kann man heute offen lassen“.
Nein.
Es wird diese Art von Hitze, bei der man morgens aus dem Fenster schaut und der Asphalt schon aussieht, als würde er leise köcheln.
Normale Menschen bleiben dann im Schatten, trinken kalte Getränke und bewegen sich möglichst wenig.
Motorradfahrer dagegen schauen auf ihre Maschine und denken:
„Ach, Fahrtwind kühlt doch.“
Nein, Klaus, tut er nicht.
Ab 35 Grad ist Fahrtwind kein Fahrtwind mehr. Das ist ein Heißluftfön mit Landschaftswechsel.
Jeder Motorradfahrer kennt diesen Satz:
„Beim Fahren geht’s doch.“
Ja, bis ungefähr 28 Grad.
Danach fühlt sich der Fahrtwind an, als hätte jemand einen Industrie-Heizlüfter vor den Helm geschnallt.
Je schneller man fährt, desto schneller wird man gegart.
Bei 50 km/h: warmer Föhn.
Bei 100 km/h: Umluftofen.
Bei 180 km/h: Expressgrillen mit Insektenpanade.
Und dann gibt es immer diesen einen optimistischen Kollegen, der sagt:
„Auf der Landstraße ist es bestimmt angenehmer.“
Klar.
Da kommt die heiße Luft wenigstens abwechslungsreich aus verschiedenen Richtungen.
Eine Lederkombi ist bei Hitze kein Kleidungsstück.
Sie ist eine tragbare Schwitzkabine mit Protektoren.
Man steigt trocken hinein und wird zwei Minuten später im eigenen Körperwasser vakuumiert.
Nach zehn Minuten klebt das Leder so fest, dass man nicht mehr weiß, ob man die Kombi trägt oder ob sie inzwischen Teil des Körpers geworden ist.
Ausziehen funktioniert nur noch mit:
zwei Helfern
Spülmittel
einem Flaschenzug
und der schriftlichen Zustimmung der Feuerwehr
Wer allein unterwegs ist, bleibt bis Oktober drin.
Helm aufsetzen bei 36 Grad ist ungefähr so, als würde man den Kopf freiwillig in eine Mikrowelle stecken.
Nach 30 Sekunden entsteht im Inneren ein eigenes Wettersystem.
Es gibt:
Nach fünf Minuten läuft der Schweiß an der Stirn entlang, sammelt sich an der Nase und tropft exakt in dem Moment herunter, in dem man beide Hände am Lenker braucht.
Natürlich juckt dann auch noch das Ohr.
Und zwar ganz hinten, an einer Stelle, die man nur erreichen würde, wenn man den Helm abnimmt.
Das Motorrad steht drei Minuten in der Sonne.
DREI MINUTEN !!!
Danach hat die Sitzbank eine Oberflächentemperatur, bei der ein Spiegelei anfängt, Fragen zu stellen.
Wer sich ohne Test hinsetzt, erlebt eine körperliche Reaktion, die irgendwo zwischen Rodeo, Stromschlag und religiöser Erweckung liegt.
Der erfahrene Motorradfahrer macht daher vorher die Handprobe.
Der sehr erfahrene Motorradfahrer schickt jemand den er nicht leiden kann.
Der ganz erfahrene Motorradfahrer hat ein Handtuch dabei.
Der echte Mann setzt sich einfach drauf und sagt danach mit tränenden Augen:
„Geht doch.“
Sommerhandschuhe heißen Sommerhandschuhe, weil „etwas weniger tödliche Handschuhe“ marketingtechnisch schlecht klingt.
Nach kurzer Fahrt sind die Hände so nass, dass man beim Ausziehen automatisch einen Unterdruck erzeugt.
Die Handschuhe gehen dann ungefähr so gut ab wie ein Schraubdeckel, den ein Bodybuilder zugedreht hat.
Hat man sie endlich ausgezogen, sehen die Finger aus, als hätte man drei Wochen in der Badewanne gelebt.
Wieder anziehen?
Unmöglich.
Man drückt jeden Finger einzeln hinein und landet trotzdem mit zwei Fingern im selben Fach.
Am Ende fährt man mit einer Hand wie ein Mensch und die andere sieht aus wie ein schlecht gebauter Playmobil-Haken.
Solange man fährt, redet man sich ein, es sei auszuhalten.
Dann kommt die rote Ampel.
Sofort verwandelt sich das Motorrad in einen stationären Grill.
Von unten kommt die Motorwärme.
Von oben kommt die Sonne.
Von vorne kommt der heiße Atem des Autos.
Von hinten drängelt jemand im SUV.
Und du sitzt dazwischen, komplett eingepackt, während dein rechter Oberschenkel langsam auf Kerntemperatur kommt.
Nach 20 Sekunden denkt man:
„Gleich wird grün.“
Nach 40 Sekunden:
„Warum hasst mich diese Ampel?“
Nach 60 Sekunden ist man bereit, bei Rot zu fahren, nur um nicht als Bratenstück an der Kreuzung zu enden.
Ein schwarzes Motorrad sieht gut aus.
Bis die Sonne scheint.
Dann wird aus dem Tank ein Kontaktgrill und aus jedem Metallteil eine pädagogische Maßnahme.
Tank anfassen?
Fehler.
Lenkerende anfassen?
Auch Fehler.
Schlüssel im Zündschloss vergessen?
Glückwunsch, jetzt besitzt du ein kleines glühendes Branding-Eisen.
Wer versehentlich mit nacktem Unterarm an den Auspuff kommt, kann sich das Datum direkt als Erinnerung eintätowieren lassen.
Kostenlos.
Man nimmt eine kalte Flasche Wasser mit.
Sehr vernünftig.
Nach einer halben Stunde im Tankrucksack hat sie die Temperatur eines Kinderplanschbeckens im August.
Nach einer Stunde ist es Tee.
Nach zwei Stunden Brühe.
Nach drei Stunden bittet man die Flasche, wenigstens nicht mehr zu dampfen.
Wichtig bleibt trotzdem:
Trinken.
Auch wenn es sich anfühlt, als würde man Wasser direkt aus ´nem Heizkörper saufen.
Bei großer Hitze wird Asphalt weich.
Das merkt vor allem der Seitenständer.
Man stellt das Motorrad ganz normal ab, geht kurz einen Kaffee holen und kommt zurück zu einer Maschine, die langsam in Richtung Erdmittelpunkt wandert.
Der Seitenständer bohrt sich dabei so tief in den Boden, als würde er nach Öl suchen.
Profis benutzen eine Unterlage.
Amateure benutzen einen flachen Stein.
Optimisten benutzen gar nichts.
Optimisten besitzen später einen neuen Spiegel.
Bei Hitze sind auch die Insekten unterwegs.
Viele Insekten.
Sehr viele.
Das Visier sieht nach 30 Kilometern aus wie eine schlecht gespülte Tapasplatte.
Je höher die Geschwindigkeit, desto größer der kulinarische Einschlag.
Eine Mücke ist ein Punkt.
Eine Fliege ist ein Fleck.
Eine Wespe bei offenem Visier ist eine Nahtoderfahrung mit Flügeln.
Besonders schön ist der Moment, wenn irgendetwas in den Helm fliegt, aber man nicht weiß, was.
Dann beginnt das kleine Ratespiel:
„Ist es eine Fliege?“
„Ist es eine Wespe?“
„Ist es schon in meinem Ohr?“
„Warum krabbelt da was?“
Ruhe bewahren.
Oder den Helm bei 80 km/h hektisch mit der linken Hand zusammenschlagen.
Beides gleich professionell.
Funktionswäsche soll Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren.
Wohin genau, sagt niemand.
Bei großer Hitze transportiert sie den Schweiß vermutlich einfach von einer nassen Stelle zur nächsten.
Nach der Tour zieht man das Oberteil aus und kann damit problemlos ein kleines Badezimmer wischen.
Man hält an, trinkt etwas, setzt sich in den Schatten und denkt:
„Eigentlich geht’s.“
Großer Fehler.
Der Körper kühlt leicht ab, die Kleidung trocknet ein wenig und man beginnt, sich wieder wie ein Mensch zu fühlen.
Dann muss man alles erneut anziehen.
Die Handschuhe kleben.
Der Helm ist feucht.
Die Sitzbank glüht.
Die Lederkombi macht beim Zuziehen ein Geräusch wie ein nasser Müllsack.
In diesem Moment versteht man, warum manche Menschen Cabrio fahren.
Nur ganz kurz.
Dann schämt man sich für den Gedanken.
Experten empfehlen:
Motorradfahrer verstehen darunter:
Wissenschaftlich nicht haltbar.
Aber traditionell bewährt.
Motorradfahren bei 35 Grad bedeutet:
Der Fahrtwind föhnt.
Der Helm dämpft.
Die Lederkombi kocht.
Der Motor grillt.
Die Sitzbank brät.
Der Asphalt schluckt den Seitenständer.
Und trotzdem stehen wir morgens da, schauen aufs Motorrad und sagen:
„Ach komm, eine kleine Runde geht.“
Denn Motorradfahrer sind keine vernünftigen Menschen.
Wir sind Fußgänger mit Motorradschlüssel und einem sehr lockeren Verhältnis zur Wettervorhersage.
Was ist euer schlimmster Motorrad-Hitze-Moment? Geschmolzene Sitzbank, Saunakombi oder 40 Kilometer Heißluftfön auf der Autobahn?
Schreibt eure besten Hitzegeschichten und beklopptesten Tricks in die Kommentare!



